Spießbraten, Schafe und Silicon Valley: Horhausen feiert den „Weihnachtszauber“

Lichterglanz und Hüttengaudi.

HORHAUSEN – Wer braucht schon New York oder London, wenn er Horhausen hat? Am vergangenen Samstag, dem 13. Dezember 2025, verwandelte sich das beschauliche 316-Seelen-Dorf pünktlich um 16:00 Uhr in ein Epizentrum der Gemütlichkeit. Der „Weihnachtszauber“ lockte die Massen ans Dorfgemeinschaftshaus – und bewies, dass man für High-Tech und großen Show-Act keine Millionenstadt braucht.

Lichterglanz und Hüttengaudi

Schon beim Betreten des Platzes wurde klar: Hier waren keine Amateure am Werk. Die Ortsgemeinde, der Kulturkreis Backesraach e. V. und der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr e. V. hatten das Areal mit so vielen Lichterketten dekoriert, dass man die Siedlung vermutlich sogar von der ISS aus leuchten sah. Das sei der wahre Grund, der Alexander Gerst damals ins All zog. Insgesamt neun Hütten bildeten ein kulinarisches Bermuda-Dreieck, aus dem es kein Entkommen gab: Von der Glühwein- und Waffel- über die Bratwurst- bis hin zur strategisch wichtigen Schnapshütte war alles vertreten. Auch für die Besorgung der letzten Weihnachtsgeschenke  standen Hütten zur Verfügung.

Der Bürgermeister und das Gesetz des Fleisches

Nachdem der Ortsbürgermeister den Markt offiziell eröffnet hatte, passierte das, worauf alle gewartet hatten: Die Uhr schlug 17:00 Uhr. In Horhausen ist das nicht einfach nur eine Uhrzeit, sondern der Startschuss für den traditionellen Spießbratenverkauf. Es wird gemunkelt, dass einige Besucher bereits seit 15:30 Uhr mit gezücktem Besteck in der Nähe der Spießbratenhütte gesichtet wurden.

13 Kinder und eine Menge Wolle

Das emotionale Highlight lieferte der Kindergarten „Zauberwald“. 13 furchtlose Kinder (und ihre mindestens ebenso tapferen Erzieherinnen) brachten eine musikalische Darbietung auf die Bühne, die selbst den härtesten Mann zum Schmelzen brachte. Gesungen wurde die Geschichte eines Hirten, der 99 Schafe einfach links liegen ließ, um das eine verlorene Schaf zu suchen. Ein mathematisch gewagtes Manöver, das aber pädagogisch und künstlerisch voll einschlug. Da der kommunale Kindergarten ein Gemeinschaftsprojekt von Dörnberg, Charlottenberg und Horhausen ist, war die Fan-Dichte im Publikum entsprechend hoch.

Horhausen 3.0: Die Wurstbude der Zukunft

Für die größte Überraschung des Abends sorgte jedoch die Technik. Während man in manchem Restaurant noch schief angeschaut wird, wenn man die EC-Karte zückt, ist Horhausen im Jahr 2025 angekommen. Ob Google Pay oder – man höre und staune – die chinesische Kreditkarte: Beim Backesraach und der Feuerwehr wurde alles kontaktlos akzeptiert.

Man darf gespannt sein, wie oft lokale Unternehmer in den nächsten Wochen den Satz hören werden: „Wie, keine Kartenzahlung? Das geht sogar in der Wurstbude in Horhausen ab 1,00 €!“

Kleingeld mit großer Wirkung

Auch das Herz kam nicht zu kurz. Die Besucher bewiesen eine beeindruckende Spendierhose:

Allein durch gespendetes Tassen-Pfand kamen beim Backesraach überragende 140,00 € für den Kindergarten zusammen.

Die Feuerwehr legte mit Essenshütten- und Online-Spenden noch einmal stolze 33,00 € oben drauf.

Die Trägergemeinden, der Förderverein des Kindergartens, die Erzieherinnen und natürlich vor allem die Kinder bedanken sich herzlich für diesen Geldsegen!

Ein Fest für alle (Alters-)Klassen

Wer es lieber warm und trocken mochte, flüchtete ins Dorfgemeinschaftshaus. Dort gab es nicht nur feine Strickwaren und Hobbykunst, sondern auch die exklusive „Senioren-Corner“. Hier saßen die erfahrenen Horhausener und jene, die von Jahr zu Jahr auf dem Weg dorthin sind.

Bis tief in die Nacht wurde bei Glühwein über die Weltlage, die Schaf-Statistik und die Vorzüge der kontaktlosen Bezahlung philosophiert. Horhausen hat wieder einmal gezeigt: Man muss nicht groß sein, um Großes zu leisten.

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